KI-Governance in Finanzgruppen: Blaupause aus der Sparkassen-Newsroom
Die S-Communication Services (S-Com), die Kommunikationseinheit der Sparkassen-Finanzgruppe, hat ihren redaktionellen Prozess automatisiert, nachdem sie 17 einzelne Schritte neu bewertet hat, von denen mehr als die Hälfte manuelle Übergaben beinhalteten. Das Unternehmen verlangt, dass alle Tools einem internen Compliance-Rahmenwerk unterzogen werden, das eine Bewertung mit über 100 Fragen umfasst, und stellt sicher, dass nur selbst hostbare Tools zugelassen werden. Dadurch sind mehr als die Hälfte der Prozessschritte automatisiert, was zu einer 10-20% schnelleren Inhaltsproduktion und Einsparungen bei der externen Qualitätssicherung führt.
Die S-Communication Services GmbH (S-Com), die Kommunikationseinheit der Sparkassen-Finanzgruppe, produziert im Auftrag von rund 340 deutschen Sparkassen Ratgeberartikel, Kampagnenseiten und Verbraucherinformationen für sparkasse.de. Vor zwei Jahren hat der Projektleiter diesen Redaktionsprozess komplett zerlegt und 17 Einzelschritte untersucht, von denen mehr als die Hälfte manuelle Übergaben zwischen Jira, Word, Slack und dem CMS waren. Gängige Cloud-basierte Automatisierungstools scheiterten früh im Optimierungsprozess an der fehlenden Kontrolle über den Serverstandort und der fehlenden Möglichkeit zum Selbsthosting. Jedes neue Tool bei S-Com muss ein internes Compliance-Framework durchlaufen – eine Bewertung mit über 100 Fragen zu IT-Sicherheit, Betriebsrat und Datenschutz. Diese Praxis war bereits vor der KI-Verordnung, die für die meisten Unternehmen relevant wurde, Teil der Unternehmenskultur. Am Ende blieb nur ein Automatisierungstool übrig, das vollständig in der eigenen IT-Infrastruktur betrieben werden kann. Auf dieser Basis wurde eine Architektur aufgebaut, die redaktionelle Arbeitsschritte automatisiert, ohne die Kontrolle über sensible Daten abzugeben. Mehr als die Hälfte der Schritte läuft jetzt automatisiert, ein Teil befindet sich noch im Testbetrieb. Je nach Content-Stück ist der Prozess 10 bis 20 Prozent schneller, und ein externer Dienstleister für Qualitätssicherung konnte bereits eingespart werden. Die Automatisierung ersetzt jedoch nicht alles; einige Schritte bleiben bewusst beim Menschen. Die gewonnene Zeit fließt vor allem in redaktionelle Sorgfalt: Ton, Kontext und eine Markenstimme, die nicht beliebig durch ein Sprachmodell ersetzt werden kann. In diesem t3n-PRO-Use-Case zeigt das Unternehmen, wie KI-Governance in einem regulierten Unternehmensumfeld zur gelebten Praxis wird: Warum kein Tool bei S-Com ohne Bewertung über den gesamten Lebenszyklus in Produktion geht, welche Kriterien entscheiden, welches KI-Modell für was verwendet werden darf, und warum nur ein Teil der Prozessschritte bewusst automatisiert bleibt.
Quelle: t3n —
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